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Ludwig W. F. Ries

Ludwig W. F. Ries (*23. Juli 1872 in Frankfurt am Main, † 22. November 1936 ebd.) war von 1925 bis 1930 Großmeister des Eklektischen Freimaurerbundes.

Bankdirekt Ludwig Ries wurde 1904 in die Loge „Sokrates zur Standhaftigkeit“ aufgenommen und bereits nach 13 Jahren von 1917 bis 1922 ihr Stuhlmeister in denkbar schwerster Zeit. Nach dem „Großen Krieg“ (Erster Weltkrieg) war nicht nur das Leben der Loge wieder zu erwecken, auch ein finanzieller Neuanfang wurde erforderlich, da durch die Inflation alle Kapitalien der Wohltätigkeitsanstalt, der Loge und verschiedener Stiftungen (ca. 345.000 Reichsmark) vernichtet waren.

Eine weitere Sokrates-Stuhlmeisterschaft wurde 1925 verkürzte, da Br. L. Ries im gleichen Jahr zum Großmeister des Eklektischen Freimaurerbundes gewählt wurde, nachdem er bereits seit 1919 Zugeordneter Großmeister war. Als er die Großmeisterschaft übernahm, wurde eigens für den vorherigen Alt-Großmeister und jüdischen Bruder Ludwig Rosenmayer (*25. März 1858; †26. Juli 1942) die Position eines Ehrengroßmeisters geschaffen, um diesen in der Großloge zu halten und den Einfluss der nationalistischen Kräfte zu minimieren.

Zur Beurteilung des Wirkens von GM Ludwig Ries ist u berücksichtigen, dass es 1922 zum Austritt der drei Berliner Großlogen (ca. ¾ der dt. Freimaurer) aus dem Großlogenbund gekommen war, „wegen der pazifistischen und kosmopolitischen Anschauungen der ‚humanitären‘ Großlogen und deren Angriffe auf die Haltung der ‚christlichen‘ Großlogen zur Judenfrage“.

Trotzdem trafen sich Ries und Rosenmayer mit Vertretern der französischen Großlogen 1927 (Jahr der ersten Ludendorff’schen Hetzschrift gegen Freimaurer und Juden), um die Möglichkeit einer Aussöhnung der deutschen und französischen Freimaurerei gemeinsam zu erörtern. Die folgenden Angriffe reichten von schweren Vorwürfen aus den eigenen Reihen bis hin zum Vaterlandsverrat seitens der Öffentlichkeit. Dem Hauptbestreben von Ries, die humanitären Logen unter einer Großloge vereinigt zu sehen, war dieses Treffen natürlich auch nicht zuträglich, obwohl er bis zu seinem Rücktritt im Jahre 1930 daran glaubte und darauf hinwirkte.

Der Eklektische Bund verdankt Ries, dass in Weiterführung in dessen Sinne durch den nachfolgenden Großmeister Friedrich Ganser die Großloge fest zu ihren jüdischen Brüdern stehend ihre Arbeit einstellte, ohne den von fast allen Großlogen gewählten – im Nachhinein ebenso beschämenden wie letztlich erfolglosen – Versuch der Anbiederung das Nazi-Regime.

Die Loge Sokrates verdankt ihrem Br. Ludwig Ries, dass er Brüder in seinm Geist inspiriert hat, die nach der „Dunklen Zeit“ in unendlicher Mühe die Loge wieder gründeten und sich nicht allein darum verdient gemacht haben, sondern sich vielmehr ganz maßgeblich und überproportional für die Schaffung der einen Vereinigten Großloge der Freimaurer in Deutschland einsetzten, und letztlich schafften, was er so brennend angestrebt hatte.